Rachelle Nkou

 

BEING ELSE - EIN MUTIPLES SYSTEM

Die Luft ist wie Champagner!

„Being Else – ein multiples System“ ist eine Musiktheater-Koproduktion von Rachelle Nkou mit ihrem Ensemble DAS GUT nach dem Originaltext  von Arthur Schnitzlers „Fräulein Else“. Schnitzlers Novelle  erzählt vom inneren Kampf einer jungen Frau, die sich im Auftrag ihres in Geldnöte geratenen Vaters an einen wohlhabenden „Freund“ der Familie wenden und sich von diesem einen großen Geldbetrag beschaffen soll. Die unterschwellige Aufforderung zur Prostitution, die Erpressung des Familienfreundes und die eingeforderte Loyalität ihren Eltern gegenüber lösen in Else einen tiefschürfenden Konflikt und einen Prozess der Verzweiflung aus, der sie dem Suizid entgegentreibt. Daraus wird nun der atemlose Kampf einer multiplen Persönlichkeit, die versucht dem Missbrauch zu entrinnen.

„Fräulein Else“ alias “Being Else“ ist gezwungenermaßen „being (somebody) else” – „Andere sein“, um es zu ertragen. Persönlichkeitsspaltung als typischer Moment im Leben eines missbrauchten Menschen. Acht Performerinnen (eine Gesangsrolle, eine Tanzrolle, sieben gemischte Rollen) und die Musik als Teilpersönlichkeiten von Else werden zu einem allmählich immer fataler werdenden Diskurs, dessen Dynamik fortwährend ansteigt und der schlussendlich auf dem Höhepunkt implodiert. „Being Else“ ist ein Blick ins Gehirn, durchsichtig und doch undurchdringlich. In der Regie von Rachelle Nkou spielen Johanna Orsini-Rosenberg, Birgit Linauer, Rita Dummer, Sascia Ronzoni, Eli Veit, Ursula Wiednig, Anna Hein, Rachelle Nkou und Alexander Braunshör.

Die Produktion ist im Finale der World Stage Design 2013  im englischen Cardiff.

 


PRESSE:

Es gibt im Leben als TheaterbesucherIn immer wieder Momente, in denen man sich fragt: was würden wohl die AutorInnen dazu sagen, wenn sie sehen könnten, was nach ihrem Tod mit dem Stoff auf der Bühne passiert. „Being Else – ein multiples System“ ist eines dieser Stücke.                                                     

Geschrieben 1924 von Arthur Schnitzler und veröffentlicht unter dem Titel „Fräulein Else“ gilt es als Klassiker des inneren Monologs. Für die Bühne adaptiert und auf Leinwand gebannt bot es Generationen Einblicke in die Seele einer jungen, geschundenen Frau. So ungewöhnlich wie der Stoff von Rachelle Nkou mit ihrem Ensemble derzeit allerdings im Kosmos-Theater dargeboten wird, haben ihn viele sicher noch nicht gesehen.

Die Schauspielerinnen performen durch eine unsichtbare Wand vom Publikum getrennt in einem riesigen, fast die ganze Bühne einnehmenden Plastikgebilde. Derartig isoliert schaffen sie eine Atmosphäre, die dem Genre des inneren Monologs wohl am nächsten kommen dürfte. Innovativ!

Das fanden offensichtlich auch die Verantwortlichen des alle vier Jahre stattfindenden Festivals für World Stage Design und luden die Produktion ein, sich einem internationalen Publikum zu präsentieren. Und so wird Nkou’s „Being Else“ im September in Cardiff/Wales im Finale antreten.                                                        

Doch auch das Bühnenbild außer Acht lassend ist das Stück einen Besuch wert. Die junge Regisseurin Rachelle Nkou bringt den inneren Konflikt einer Frau – die aufgrund von Geldnöten ihres Vaters gezwungen ist, sich bei einem wohlhabenden Herren zu prostituieren – mit dem Konzept der Persönlichkeitsspaltung auf die Bühne. Hin- und hergerissen zwischen Pflichtgefühl gegenüber ihren Eltern und Abscheu gegenüber ihrem zukünftigen Freier empfindend werden die ZuseherInnen Zeugen vom inneren Kampf (dargestellt durch die Else-Persönlichkeiten) bis zum Ende. Und dieses Ende ist, wie GermanistInnen und Schnitzler-FreundInnen wissen, ebenso endgültig wie offen. Denn das junge Mädchen entkommt ihrem Leid mit einer Überdosis Veronal –                                          

zumindest vorerst, so viel ist sicher. Im Buch wie Stück entgleitet sie langsam der Welt, auf der Bühne wunderbar bildlich dargestellt durch das Verlassen der Plastikblase. Ob sie zurückkommt oder für immer in die Welt der Toten entschwindet: wir wissen es nicht. Der Anfang von „Being Else“ legt allerdings Ersteres nahe.                                                                                                                                                                                                                                                             

Denn Nkou gestaltet ihn als Talkshow-Auftritt eines verängstigten Mädchens, das dabei ist, die Vergangenheit zu bewältigen, und in Richtung selbstbestimmtes Leben aufbricht. Verbindungen mit Natascha Kampusch tauchen wieder einmal im Geiste auf – auch diese hat ein Buch geschrieben. Auf der Bühne fragt sich die Post- Schnitzler Else: „Wovon hängt es ab, dass man nicht täglich das Opfer ist, sondern eine selbstbestimmte bewusste Person?“. Eine Frage, die umgekehrt gestellt Schnitzler in vielen seiner Bücher ein Leben lang beschäftigte. Lehnen wir uns also zum Schluss für diesen ausserordentlichen Abend aus dem Fenster und behaupten, der große Wiener Autor hätte beträchtlichen Gefallen an dieser Bearbeitung gefunden.  WIENINTERNATIONAL                                    


„(...) Das große Verdienst dieser Aufführung ist die Thematisierung von Gewalt gegen Kinder und junge Frauen und das Sichtbarmachen des daraus resultierenden psychischen Elends, das sich wohl kaum jemand vorstellen kann, der nicht selbst davon betroffen war. „

„(...) Ein wichtiger Abend, bei dem das Ankommen der Botschaft sogar die Wichtigkeit der künstlerischen Beurteilung übertrifft.“  EUROPEAN CULTURAL NEWS      


KOOPERATION: KOSMOS WIEN / VEREINIGTE BÜHNEN WIEN / PALAIS KABELWERK WIEN 2011-2013  

Mit: ALEXANDER BRAUNSHÖR, BIRGIT LINAUER, MARTINA POEL, JOHANNA ORSINI-ROSENBERG, RITA DUMMER, ANNA HEIN, ELISABETH VEIT UND SASCIA RONZONI. KONZEPT UND REGIE: RACHELLE NKOU. TEXT: ARTHUR SCHNITZLER. FOTO UND VIDEO: JUDITH STEHLIK. BÜHNE: STEFANIE NOLZ, SCHULTHES WIEN, RACHELLE NKOU.  MUSIK: BORIS FIALA UND ANDREAS HAMZA. KOSTÜM: RACHELLE NKOU