Rachelle Nkou

 

TEXT / LOGORRHOE

Meine Schwester und ich waren als Kinder das, was man Terror-Quasselstrippen nennen könnte. Wenn das einer im Erwachsenenalter nicht im Griff hat, sagt man mit leicht erkennbarem Ekel „Logorrhoe“ dazu. Sprach-Durchfall. Igitt!! Gegen sie, die Ältere von uns beiden, kam ich aber nicht an. Sie redete, redete und redete ohne dabei Luft zu holen. Wir schrien uns an, kämpften um Redezeit, argumentierten, weshalb eine Geschichte mehr Gehör verdiente, als die andere und hielten einander gegenseitig die Münder zu...! – Aber ich unterlag. Jedes Mal.  
Somit musste meine Mutter in unserer Familie eine „Extra-Redezeit“ für mich einführen. Damit auch ich zu Worte kam. 
Nachdem sich diese Wörter aber über Jahre und Monate in mir aufgestaut hatten, überfluteten sie nun den Kehlkopf und strömten unaufhaltsam aus mir heraus. Sie überschlugen sich, kletterten an Mutter, Schwester, Verwandten und Bekannten empor, in deren Ohren hinein und verstopften die Gehörgänge.
 

Schlussendlich, als es keine Ohren mehr gab, die man mir schenken konnte, brachte mir meine sechseinhalbjährige Schwester das Schreiben bei. Darauf gab sie mir ein kleines, weisses Notizbuch. Darin könne man die Wörter genauso gut aufbewahren, meinte sie, es müssten nicht unbedingt immer die Ohren anderer sein! Also begann ich zu schreiben. 

Selbstverständlich exzessiv.